Katherines Gorge NT - Parry Creek Farm WA
18. 10. 2013


Um 6.15 h wachten wir auf. Es war zwar schon 26° warm, aber im Verhältnis zu gestern Abend angenehm. Viele Vögel waren schon unterwegs, aber auch die lästigen kleinen Fliegen, die es immer nur auf Augen, Mund und Nase abgesehen haben. Während Tomoko eine Runde auf dem Campingplatz machte, ging ich über einen kleinen Fußweg hinunter zum Fluss Katherine River (ca. 800 m). Doch je weiter ich mich vom Campingplatz entfernte, umso ruhiger wurde es. Nur ein einzelnes Wallaby schaute mich misstrauig an. Der Fluss lag träge vor mir. In der fast schwarzen Oberfläche spiegelten sich die am Ufer stehenden Bäume. Eine kleine Plattform war eingerichtet, von der man ins Wasser klettern und schwimmen konnte. Auf einem Schild war zu lesen, dass man sich bemühe, dass keine Salzwasserkrokodile den Fluss bevölkern, aber was heißt schon "sich bemühen"

Inzwischen war die Sonne über den nahen Bergkamm gestiegen und heizte schon wieder mächtig ein. Um 7.30 h war es schon 30°. Ich ging zurück zu Tomoko, die inzwischen viel fotografiert hatte.

Unter anderem hatte Tomoko heute morgen schon gesehen: Great Bowerbird, Helmeted Friarbird, Blue-faced Honeyeater, Red-collared Lorikeet, Varied Lorikeet, Red-winged Parrot, Sulphur-crested Cockatoo, Grey Shrike-thrush.


Jetzt wurde es aber langsam Zeit für ein Frühstück. Dabei kam uns ein Great Bowerbird mit hungrigen Augen wieder bedrohlich näher. Mit ein paar hingeworfenen Toaststückchen war er aber sichtlich zufrieden. Am Nachbartisch versuchten derweil 2 Raben in dem dort zurückgelassenen Geschirr etwas Essbares zu finden.

Um 9.30 h waren wir startbereit zur heute mit 635 km ziemlich langen Etappe zur Parry Creek Farm, ca. 100 km nordwestlich von Kununurra (Westaustralien). In Katherine um 10.10 h tankten wir noch mal voll. Weiter ging es auf dem Victoria Highway Richtung Westen auf einer ziemlich eintönigen Landstraße, die einzige Verbindung nach Westen, wenn man mal von ein paar verstaubten Sandpisten absieht. Der nächste Ort ist Timber Creek, 290 km weiter.

Wir kamen gut voran, da kaum Verkehr auf der Strecke herrschte. Um 12.15 h erreichten wir den Victoria River. Am dortigen Roadhouse machten wir im Schatten eines Baumes eine kleine Pause (30 min). Um 13.40 h bei Timber Creek fielen mir vor Müdigkeit fast die Augen zu und wir hielten für 15 min am Straßenrand. Bis zur Grenze nach Westaustralien liegen noch 180 km vor uns. Das sollte in 2 Stunden bis 16.00 h zu schaffen sein. Dort muss die Uhr um 1 ½ Stunden zurückgestellt werden, so dass wir Zeit gewinnen. Die Landschaft änderte sich allmählich. Immer mehr tauchten jetzt die hier typischen Boab-Trees auf, Bäume mit eigenartigen flaschenförmigen Stämmen, zum Teil sehr dick.

Irgendwann auf der Strecke realisierte Tomoko, dass wir schon heute die Grenze nach Westaustralien überqueren werden. Hier darf man kein Obst, Gemüse, Saatgut, Honig, Tiere u.a. über die Grenze bringen. Ich hatte am Morgen vergessen, dieses Problem noch mal anzusprechen. Nach anfänglicher Aufregung dann die Lösung. Wir aßen die Bananen und die restlichen Erdnüsse auf. Auf einem Parkplatz 90 km vor der Grenze schnipselte Tomoko das restliche Gemüse in eine Plastikschale und mit einer ???Sauce aßen wir alles bei 38° und 16% Luftfeuchtigkeit im Stehen auf. Auch eine restliche Gurke wurde roh verzehrt. Übrig blieben 5 Eier, sowie etwas Ingwer und Zwiebeln.

Gegen 16.30 h erreichten wir die Grenze. Ein Beamter fragte uns nach frischen Lebensmitteln. Er wollte den Innenraum inspizieren. Wir übergaben ihm Ingwer und Zwiebeln, die er in einem Container entsorgte. Er warf auch einen Blick in unseren Kühlschrank. Die dort lagernden 5 Eier schienen ihn nicht zu interessieren. Wir konnten weiterfahren. Um 17.00 h, bzw. jetzt 15.30 h, erreichten wir Kununurra nach genau 535 km. Im dortigen COLES-Supermarkt kauften wir frische Lebensmittel ein und tankten wieder voll. Noch weitere 100 km lagen vor uns bis Parry Creek Farm, unserem heutigen Ziel. Die Sonne ging langsam unter und das Licht wurde zunehmend schwächer.

Mit dem letzten Licht erreichten wir kurz vor 18.00 h unser Ziel. Die letzen km musste ich höllisch aufpassen, in der Dunkelheit nicht noch ein Tier zu überfahren. Es passierte aber Gott sei Dank nichts. Wir buchten an der Rezeption für 2 Nächte einen Stellplatz für 37,- $ pro Nacht. Da es inzwischen völlig dunkel war, fuhr ich ein paar Runden suchend über das Gelände. Ein einziges Auto stand noch dort. Ein netter Mann zeigte mir die Stellen, wo es Stellplätze mit Stromanschluss gab. Wir bauten schnell alles auf. Zum Abendessen gab es gebratene Zucchini und Auberginen mit Tzaziki, dazu noch Feta-Käse mit Oliven und Tomaten, sowie Toast. Wir waren beide nach der langen Fahrt sehr müde. Tomoko fühlte sogar wieder eine Migräne nahen und legte sich gleich ins Bett. Ich blieb noch eine Weile draußen in der warmen Nachtluft sitzen und schaute den Wolken zu, die von Zeit zu Zeit den leuchtenden Vollmond überdeckten. Die Nacht blieb warm, so dass ich trotz laufender Klimaanlage mehrfach aufwachte, mit einem nassen Waschlappen mich etwas abkühlte und weiterschlief.


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