11.06. Sequoia Nationalpark

Nach der für mich relativ kurzen Nacht wachte ich gegen 7.00 h noch etwas müde auf. Nach einer schnellen Dusche trafen wir uns um 7.40 h am Auto und fuhren zum General-Sherman-Tree, einem der gewaltigsten Giant Sequoias mit 11m Stammdurchmesser am Boden. Kurz vor erreichen des Parkplatzes kreuzte wieder ein schwarzer Bär unseren Weg, höchstwahrscheinlich der gleiche, den wir schon gestern Morgen hier in der Nähe gesehen hatten. Am Parkplatz herrschte noch absolute Ruhe zu so früher Stunde. Es war kühl, so um die 5°. Langsam wanderten wir den 800m langen Trail bis zum Sherman-Tree hinunter. Das Licht der aufgehenden Sonne, die vom blauen Himmel schien, ließ die Bäume in warmem Licht erscheinen.

Dann stand er vor uns, der General-Sherman-Tree, in seiner ganzen mächtigen Schönheit. Wir standen ganz alleine vor diesem 2200 Jahre alten Naturwunder. Bei meinem letzten Besuch vor 5 Jahren an gleicher Stelle, aber zu einer anderen Jahres- und Uhrzeit, lärmten hier mehr als 200 Besucher herum, was die erhabene Schönheit dieses Platzes doch erheblich störte.

Langsam umrundeten wir den Baum, am Boden zahlreiche Eichhörnchen und immer wieder Fox Sparrows, Yellow-rumped Warbler, Robins und höchstwahrscheinlich ein Pilated Woodpecker (von Tomoko gesehen). So langsam meldete sich der Hunger, Zeit für ein Frühstück. Wir fuhren zur Lodge zurück und frühstückten erst mal ausgiebig. Besonders das frische Obst hatte es uns angetan. Um 11.00 h fuhren wir wieder los, erst zum Lodgepole Supermarkt dann zum Wolverton Parkplatz. Wir suchten nach einem Trail, denn wir wollten ein wenig wandern. Wir schwärmten in verschiedene Richtungen aus. Die Umgebung wirkte ziemlich einsam, kein weiteres Auto auf dem Parkplatz. Plötzlich entdeckte ich in etwa 150m Entfernung in einer Wiese einen Bär in Begleitung eines kleinen Bären. Ich rief die anderen. Mutter Bär fraß gemütlich irgendwelche Pflanzen, während der Kleine immer wieder herumtollte.

Ich hatte inzwischen meine Videokamera geholt und begann zu filmen. Allmählich kamen die beiden Bären näher. Zunächst hatten wir noch keine Bedenken, aber als die Mutter sich immer wieder drohend aufrichtete und zu uns herüber sah, wurden wir langsam unruhig. Und tatsächlich, die Bären waren vielleicht noch 70m weg, da machte die Bärenmutter einige schnelle Sätze auf uns zu, so dass wir alle (inzwischen war noch ein sehr nettes Paar aus Alaska zu uns gekommen) panikartig den Rückzug antraten. Eine Bärenmutter mit Kind kann sehr aggressiv werden. Der Rückzug war richtig. Die Bären beruhigten sich wieder und verschwanden nach kurzer Zeit im Wald. Genau dort wollten wir eigentlich unsere Wanderung beginnen. Das ließen wir lieber bleiben, noch dazu hatte Vater inzwischen entdeckt, dass der Trail noch mit viel Schnee bedeckt war. Inzwischen war es kurz nach 12.00 h und wir beschlossen Richtung King´s Canyon zu fahren und uns auf dem Weg dorthin den General-Grant-Tree anzusehen. Nach 20 min kamen wir an einer Wiese vorbei. Ein kurzer Blick genügte und wir hatten wieder einen schwarzen Bären entdeckt, der mitten in der Wiese stehend sich beim Pflanzen fressen nicht stören ließ. Ein Video über unsere verschiedenen Begegnungen mit Bären findet man hier.Wir schauten dem Bären eine Weile zu bevor wir weiterfuhren. Auch zwei Rehe (Mule Deer) tauchten auf einer Waldlichtung auf.

Da die Zeit schon fortgeschritten war, machten wir auf halbem Weg eine kleine Picknick-Pause. Dabei konnte ich gleich mal tanken. Nach dem reichlichen Frühstück trank ich nur einen Kaffee und aß ein paar Cookies dazu. Am Grants Grove angekommen machten wir uns gleich auf den Rundweg, der zum General Grant Tree führte. Hier waren deutlich mehr Leute unterwegs als heute morgen beim General Sherman Tree. Auch einige Busse, anscheinend mit einigen ziemlich unhöflichen Franzosen, waren angekommen. Auch hier standen wieder mächtige Sequoias, unter denen wir langsam hindurchschritten.

Der General Grant Tree ist nach dem General Sherman Tree der zweitgrößte Baum der Erde. Es ist ein unglaublich erhabenes Gefühl, unter einem solchen Baum eine Weile zu stehen. Wir trafen wieder das nette Paar aus Alaska und unterhielten uns etwas mit ihnen über ihre Heimat, die wir unbedingt auch mal besuchen wollen, doch anscheinend zu lange, denn die Eltern waren ziemlich sauer. Sie marschierten einfach los, aber in die falsche Richtung. Als Tomoko das bemerkte, lief sie hinterher um die Eltern zu warnen. Da ich mit meiner schlechten Kondition nicht schnell den Berg bei 2000m Höhe hinauflaufen wollte, ging ich gemütlich den Weg zum Parkplatz zurück. Nach einiger Zeit kam Tomoko alleine an, die Eltern wollten noch ein kleines Stückchen weiterwandern. Nach geraumer Zeit kam Tomokos Mutter zurück, und es entwickelte sich ein heftiges Streitgespräch auf Japanisch. Es wäre sehr rücksichtslos von uns gewesen uns so lange zu unterhalten und nicht um sie zu kümmern. Ich musste Tomoko beruhigen, sie solle das Ganze nicht zu ernst nehmen, das bringt alles nichts. Endlich kam auch der Vater guter Dinge zurück und gegen 15.30 h fuhren wir alle wieder zurück zur Wuksachi Lodge. Als wir die Wiese erreichten, wo wir heute Mittag den Bär gesehen hatten, standen einige Autos am Straßenrand und Leute machten Fotos. Der Bär war tatsächlich noch da. Auch wir hielten nochmals kurz an und schauten. Gegen 16.30 h waren wir zurück. Bis zum Abendessen um 17.45 h ruhten wir uns ein wenig aus. Ich schrieb weiter an meinem Tagebuch, Tomoko sortierte Fotos. Das Abendessen im Restaurant der Lodge war wieder ausgezeichnet. Diesmal trank ich keinen Alkohol, dafür Tomoko ein Glas Rotwein, einen tollen Cabernet Sauvignon zu 9.90$. Anschließend checkten wir nach 3 Tagen unsere Email und schauten etwas Internet. Gegen 19.30 h gingen wir langsam zum Zimmer zurück. Diesmal hatte Tomoko einige Probleme. Der Alkohol (sie hatte vorher schon ein Bier getrunken) bei einer Höhenlage von 2.200 m, dazu ein leicht ansteigender Weg, ließen ihren Puls schnell steigen, so dass sie außer Atem kam. Das war wohl auch der Grund für meine gestrigen starken Extrasystolen bei ebenfalls sehr schnellem Puls. Es ging ihr aber bald wieder besser, so dass sie noch ein Bad nahm, während ich mein Tagebuch zu Ende schrieb. Um 21.15 h gingen wir zu Bett.



12.06. Sequoia NP - Joshua-Tree NP 654 km

Der Verzicht auf Alkohol gestern Abend hatte mir offensichtlich gut getan, denn ich schlief ohne Unterbrechung bis kurz vor 7.00 h. Um 7.30 h frühstückten wir, wieder sehr gute Qualität. Die Morgensonne schien schon vom wolkenlosen Himmel und sorgte für kräftige Farben. In diesem Licht leuchtete das Gefieder der Vögel (Mountain Quail, Chipping Sparrow), die wir beobachten konnten, besonders intensiv.

Einige der Kiefern trugen mächtige Zapfen, die teilweise schon heruntergefallen waren. Ist bei starkem Wind sicher nicht ganz ungefährlich. Kurz vor 9.00 h packten wir alles ins Auto, checkten bei der Rezeption aus und fuhren um 9.15 h los. Zunächst ging es bei wiederum blauen Himmel mit ein paar kleinen Wölkchen 25 Meilen Richtung Grants Grove. Die Wiese, wo wir gestern zweimal einen Bären gesehen hatten, war heute Morgen leer. Von Grants Grove nahmen wir den kürzeren Highway 245 ins Tal, doch diese Strecke war äußerst kurvenreich und wir kamen nur langsam vorwärts. Eine Wildkatze kreuzte die Fahrbahn. Endlich waren wir unten nach fast 2 Stunden in der Nähe von Visalia. Durch endlose Orangenplantagen ging es weiter nach Süden.

Wir erreichten den Highway 99. In Bakersfield machten wir von 12.45 - 13.45 h Mittagspause mit einem Kaffee und einigen Cookies. Zahlreiche Erdhörnchen (California Ground Squirrel) waren in der Nähe in der Wiese zu sehen, wirklich putzige Tierchen. Ein Red-tailed Hawk kreiste über unseren Köpfen.

Es war inzwischen sehr warm geworden, fast 30°. Auf der Weiterfahrt Richtung Los Angeles wurde der Verkehr auf dem Freeway I-5 immer dichter. Zeitweise fuhren die Autos auf jeweils 6 Spuren in beiden Richtungen. Man musste beim Spurwechsel höllisch aufpassen. Etwa 50 km bevor wir den Großraum Los Angeles erreichten, verließen wir das California Valley. In einer etliche Meilen langen Steigung ging es immer höher hinauf durch mit violetten Blumen übersäte Berge.

Wir brauchten fast 2 Stunden um das Großgebiet von Los Angeles zu durchfahren. Nun fuhren wir nach Osten auf dem Freeway I-10. In der Nähe von Palm Springs kurz nach einem Gebiet mit unglaublich vielen Windrädern bogen wir nach Norden ab. Noch gut 40 min und nach insgesamt 654 km kamen wir gegen 17.40 h am gebuchten Hotel Best Western Twentyninepalms an. Ich fühlte mich nach der langen Fahrt erstaunlich fit. Nach einer erfrischenden Dusche trafen wir uns um 18.30 h zum Abendessen. Die trockene Luft in der Wüste wehte angenehm durch unsere Haare. Wir suchten nach einem mexikanischen Restaurant, doch als wir an einem "Pizza Hut Restaurant" vorbeifuhren, wurde bei Tomoko und ihren Eltern der Wunsch nach Pizza wach. Also kehrten wir hier ein, nachdem die Frage, ob es hier auch Bier gibt, positiv beantwortet wurde.

Die Pizza schmeckte gut, Tomoko bediente sich 3x an der Salatbar. Die Bedienung war nicht besonders freundlich und hilfsbereit, Teller für die Pizza musste ich persönlich an der Theke holen. Ein Pitcher Budweiser Light war zwar erfrischend, schmeckte aber ziemlich schlapp. Na ja, für meine schwache Kondition vielleicht gar nicht so schlechtů.Als wir das Lokal verließen, berührte die untergehende Sonne fast den Horizont, strahlte aber immer noch unglaublich intensiv. Wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt ein und fuhren dann zum Hotel zurück. Wir hatten nur ein kleines Queen-Size Bett, ein Zimmer mit 2 Betten war leider nicht mehr zu haben. Im Zimmer war es durch die laufende Klimaanlage schön kühl, leider wieder zu kalt für Tomoko. Also schalteten wir aus, was dazu führte, dass es mir nach 30 min unangenehm warm wurde. Na ja, das Problem hatten wir schon öfter, mal sehen ob ich bei dieser Hitze überhaupt schlafen kann. Wir schauten noch ein wenig Internet, was leider nur über Ethernet-Kabel funktionierte, so dass nur einer von uns online gehen konnte. Gegen 21.30 h war ich nach dem anstrengenden Fahrtag ziemlich müde und ging schlafen.



13.06. Joshua-Tree Nationalpark

Um 6.00 h stand ich gut ausgeschlafen auf. Nach einer erfrischenden Dusche machten wir einen kleinen Spaziergang vor dem Frühstück. Einige kleine Häschen hoppelten schon herum, einige in der trockenen Wüste, einige andere auf dem saftigen Rasen vor dem Hotel. Auch mehrere Familien "Gambel's Quail" suchten schon nach Futter.

Ich holte schnell meine Videokamera und konnte einige nette Szenen einfangen, wie die kleinen schon eifrig am Boden scharrten um Essbares zu finden. Um 7.30 h trafen wir uns mit den Eltern zum Frühstück, schmeckte ganz gut, wenn auch alles in Plastikgeschirr und mit Plastikbesteck gegessen wurde. Um 9.00 h fuhren wir los Richtung Joshua Tree NP. Der Park hat seinen Namen nach den hier häufig vorkommenden stacheligen Joshua Bäumen, die mehr wie eine Mischung aus Agave und Kaktus aussehen als nach einem Baum. Zunächst machten wir am Visitor Center halt.

Es war schon ziemlich heiß, deshalb gingen wir nur ein paar hundert Meter den dortigen Trail entlang. Wir sahen 3 Falken (American Kestrel) in einer Palmengruppe sowie einige Tauben und Cactus Wrens. Auch einige Gruppen "Gambel's Quail" mit Nachwuchs sowie kleine Häschen (Desert Cottontail) ließen sich immer wieder blicken, verschwanden aber oft sehr schnell in den schützenden stacheligen Büschen. Zurück beim Visitor Center konnten wir zwei kleine Kolibris beobachten,

die geschickt ihren spitzen Schnabel in die länglichen roten Blüten einer Pflanze steckten und nach Nektar suchten. Wir fuhren weiter eine 53 km lange Strecke quer durch die Wüste Richtung Cottonwood Spring, eine kleine Palmen-Oase am Südausgang des Nationalparks. Die Strecke war kaum befahren. Es ging durch eine endlose trockene Ebene (Pinto Basin), vorbei an zahlreichen Kakteen (Cholla Cactus) und anderen stacheligen Wüstenpflanzen. Am Ziel angekommen machten wir erst ein kleines Picknick an einem leeren Campingplatz unter einem Sonnendach. Von einem nahen Hügel inspizierte ich mit dem Fernglas die Gegend, die in der Hitze stark flimmerte, konnte aber nichts besonderes entdecken.

Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns auf den Weg ein kleines Stück in die Schlucht hinein. Es waren kaum Vogelstimmen zu hören. Auch an der Stelle, wo wir vor 5 Jahren noch ein kleines Bächlein fließen gesehen hatten, war alles staubtrocken. Wir kehrten um und rasteten unter einem Baum auf einem umgestürzten Baumstamm im Schatten.

Allmählich wurde es etwas interessanter. Nach und nach ließen sich einige Vögel blicken, meist aber weit weg und schlecht zu fotografieren. Wenn wir zum Canyonrand hochblickten, konnten wir immer wieder große Eidechsen sehen, die sich in der prallen Sonne aufwärmten. Zwei vorbeikommende Touristen machten uns auf eine gelbgemusterte Schlange (ca 1,50 m lang) aufmerksam, die langsam aus einem Erdloch etwa 2 m neben uns herauskroch. Hatten wir gar nicht bemerkt.

Es handelte sich um eine ungiftige Gopher Snake. Nachdem wir uns hier etwa eine Stunde aufgehalten hatten, fuhren wir die Straße wieder zurück. Es war jetzt 37° und das Fahren war nur mit Klimaanlage auszuhalten. Die Eltern und Tomoko hielten ein Schläfchen, während ich leider die Augen offen halten musste, was mir aber ganz gut gelang. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Teil des Parks, der ihm seinen Namen gegeben hatte. Zahlreiche Joshua Trees wuchsen hier endlos bis zum Horizont, immer wieder unterbrochen von spektakulären braunen Felsen mit zum Teil äußerst merkwürdigen Formen.

An einigen Stellen hielten wir an und machten Fotos, an anderen Stellen stoppten wir, weil wir einen Vogel am Wegesrand gesehen hatten. Gegen 16.30 h hatten wir den Westausgang des Parks erreicht. Nach einer weiteren halben Stunde kamen wir müde wieder am Hotel an. Wir machten eine kleine Siesta bis zur Abfahrt zum Abendessen um 18.30 h. Diesmal wählten wir das mexikanische Restaurant "Enchada".

Das Essen war sehr gut, bis auf Vaters Fleischgericht "Carne Asado". Das Fleisch war wohl etwas zu hart, ich meinte, das Pferd war wohl schon zu alt (-: Zurück im Hotel gegen 20.30 h waren wir so müde, dass wir gleich zu Bett gingen. In Anbetracht des geplanten frühen Aufstehens morgen früh (5.15 h) keine schlechte Idee...



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