19.05. Arkaroola (Gammons Ranges)

Gegen 6.15 Uhr wurden wir beide wach, als der Himmel im Osten sich langsam grau färbte. Der Tag brach langsam an. Die Farbe der vereinzelten kleinen Wölkchen änderte sich allmählich zu rosa.

Wir kletterten aus unseren Schlafsäcken, öffneten die Hintertür unseres Autos und machten ein paar Fotos im zarten Morgenrot. Dann war Frühstück angesagt, das wir wieder im Inneren des Autos einnahmen, da die Außentemperatur gerade mal 2° betrug. Um 7.15 Uhr kam die Sonnenscheibe hinter den Bergen zum Vorschein und strahlte gleich etwas wohlige Wärme aus. Um 7.45 Uhr machten wir mal eine kleine Runde in die nähere Umgebung, doch es blieb ziemlich ruhig. Wir machten daraufhin unser Auto startklar und fuhren über eine äußerst holprige Wegstrecke zum 11 km entfernten Nooldonooldona Waterhole.

Dabei mussten wir wieder steinige Bachläufe vorsichtig durchqueren, die teilweise Wasser führten. An einer Stelle saß eine ganze Gruppe von Tauben (Diamond Dove), eine für uns neue Art, in einem Strauch.

Gegen 9.00 Uhr erreichten wir unser Ziel, das Nooldonooldona Waterhole. Der Name entstammt der Sprache der Aborigines, der Ureinwohner Australiens. Hier am Wasserloch war vogelmäßig überhaupt nichts zu sehen außer 2 Butcherbirds und ein paar Miners. Ich kletterte ein wenig zwischen den Felsen herum, auf denen einige interessante Pflanzen, hauptsächlich Yakkas, in den Felsspalten Halt gefunden hatten. Das Wasserloch selbst lag ziemlich im Dunkeln, eingebettet im Schatten zwischen hohen schroffen rotbraunen Felswänden.

Tomoko mochte diese kalte abweisende Stimmung nicht besonders. Also fuhren wir wieder ein Stück zurück bis zu einer Abzweigung zu den Pinnacles, einer Hügelkette durch die ein Wanderweg führte. Auf dem Weg dahin begegneten uns ein paar Zebra Finches und Babbler (White-browed Babbler). 2 Australian Ringnecks kreuzten im Flug unseren Weg. Weiter sahen wir noch einige Grey-fronted Honeyeater und einen Falken (Nankeen Kestrel). Um 10.00 Uhr kam uns plötzlich unverhofft eine Gruppe von 8 Emus entgegen. Wir stoppten sofort.

Langsam schritten die Vögel bis auf gut 30 m auf uns zu und bewegten sich dann seitlich in die trockene mit ein paar Büschen bewachsene Landschaft. Es ist immer wieder von neuem faszinierend, diesen majestätischen großen Laufvögeln zuzusehen. Ein kurzes Video kann man hier sehen: Emus Kurz nach der Abzweigung zu den Pinnacles entdeckten wir hoch in einem Baum sitzend einen Kuckuck (Pallid Cuckoo), auch neu für uns. Wir beobachteten ihn eine Weile, bis er davonflog und etwa 100m weiter wieder auf einem Baum landete. Ein Spiny-cheeked Honeyeater flog hinterher und setzte sich unmittelbar daneben, offensichtlich um den Kuckuck zu vertreiben, der sich aber nicht weiter stören ließ. Wir fuhren weiter bis zum Ende des Weges, ließen das Auto stehen und begaben uns um 10.30 Uhr auf einen kleinen Trail, der durch das von hellem Sonnenlicht überflutete Tal führte. Wir sahen einige interessante Blumen, doch auch hier waren Vögel rar. Nur ein paar Schwalben (Tree Martin) und Grey-fronted Honeyeater flogen umher und in der Ferne ein Adler hoch in der Luft. Nach einem knappen Kilometer machten wir kehrt und gingen wieder zurück.

Wir umrundeten wieder den Sitting Bull (so heißt der Berg). Tomoko rannte leichtfüßig so schnell den Pfad hinauf, dass ich ihr kaum folgen konnte.

Ich war froh als ich um 11.20 Uhr am Auto angekommen etwas Wasser trinken konnte, meinen Rucksack mit der Wasserflasche hatte ich nämlich nicht mit auf die Wanderung genommen. Wir fuhren zum Visitor-Center zurück. Dort kauften wir 2 Cappuccinos und setzten uns damit in die Sonne vor den Eingang, wo ein paar Tische mit Stühlen standen. Wir hatten bei unseren Vorräten noch 2 Muffins gefunden, die wir zusammen mit einer Banane aßen. So blieben wir gemütlich eine Weile sitzen. Die Sonne schien ziemlich kräftig, so dass es uns bei 20° im Schatten doch ziemlich warm wurde in der prallen Sonne. Einige Vögel flogen umher: White-plumed Honeyeater, 2 Willie Wagtail, 2 Spiny-cheeked Honeyeater, 1 Zebra Finch, Australian Ringneck.

Hoch auf der Spitze des gegenüberliegenden Berges entdeckte ich mit meinem Fernglas wieder einen Adler sitzen. Um 13.00 Uhr beendeten wir unser Kaffeepäuschen und fuhren zum Campingplatz zurück, wo wir uns einfach in unsere Campingstühle setzten und weiter ausruhten. Tomoko wusch zwischenzeitlich ein paar Socken und Höschen, die in der kräftigen Sonne und trockenen Luft schnell trockneten. Dabei hatte sie ein besonderes Vogelzwitschern gehört. Sie holte schnell ihre Kamera und konnte den für uns auf dieser Reise neuen Vogel. einen Mistletoebird, fotografieren. Ich studierte derweil die Straßenkarten und machte mir Gedanken, wie wir die nächsten Tage wohl verbringen würden. Da kam Tomoko ziemlich aufgekratzt zurück und berichtete von einem Gespräch mit einem anderen Campingplatz-Besucher. Dieser hatte ihr vorgeschwärmt, wie toll doch das Outback in der Nähe von Innamincka (Cooper Creek) sei, wo es auch zahlreiche Vögel zu beobachten gäbe. Allerdings liegt Innamincka über 400 km von hier entfernt und ist nur über den Strzelecki-Track, eine unbefestigte Sandpiste zu erreichen. Wir überlegten sorgfältig das Für und Wieder und kamen beide zu dem Ergebnis, dieses Wagnis bei dem zur Zeit guten Wetter einzugehen. Wir hatten doch ein geländetaugliches Auto. Warum sollten wir das nicht versuchenů Des Weiteren empfahl er noch, hier das Arkaroola Waterhole zu besuchen, ein 5 km entferntes Wasserloch, wo man am späten Nachmittag Kängurus und Vögel beim Trinken beobachten könne. Um 15.10 Uhr machten wir uns auf den Weg dorthin. Wir fuhren etwas mehr als die 5 km, aber an einer Flussdurchfahrt machten wir Halt.

Ein zufällig vorbeifahrender Cross-Radfahrer(!!) klärte uns auf, dass wir an besagtem Wasserloch schon vorbeigefahren waren. Währenddessen entdeckte Tomoko hoch in einem Baum über uns 2 Little Corellas, eine weiße Kakadu-Art, die wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Wir fotografierten ausgiebig, war doch auch die Umgebung sehr malerisch. Ein kurzes Video kann man hier sehen: Little Corella Dann wendete ich das Auto und wir fuhren ein kleines Stück zurück.

Ja, da war die Abzweigung zum Arkaroola Waterhole. Ein Warnschild wies darauf hin, dass die 1,5 km - Strecke nur mit Vierradantrieb befahren werden darf. Kaum war ich auf den Weg abgebogen, wusste ich auch warum. Dieser Weg war wirklich nicht mit einem normalen PKW zu schaffen. Also hielt ich an, verriegelte die Vorderradnaben manuell und schaltete zum erstenmal das Vierradgetriebe ein. Damit ließ sich die Piste tatsächlich bewältigen, auch für einen Neuling wie mich. Es war schon abenteuerlich, wie das Auto durch die tiefen Sandlöcher, über felsige Partien und dicken Steine schaukelte, aber die 8-Zylinder-Maschine ließ uns nicht im Stich. Einige Kängurus schauten uns zu, die meisten Euros, aber eins war wohl ein junges Red Kangaroo.

Gegen 16.00 Uhr kamen wir wohlbehalten am Wasserloch an. Als wir den Motor des Autos ausschalteten, war es nach der irren Schaukelei plötzlich totenstill. Wir verließen das Auto, gingen ein paar Schritte bis zum Wasserloch und setzten uns dort auf einen dicken liegenden Baumstamm.

Plötzlich hörten wir ein Kreischen in der Luft. Da kamen doch tatsächlich 7 Little Corellas angeflogen und setzten sich in der Nähe auf einen Baum. Nur einer nahm direkt über uns Platz. Nach einiger Zeit folgten auch die anderen. Tomoko fand es sehr nützlich, dass wir unsere Hüte auf dem Kopf hatten, denn es dauerte nicht lange, bis der erste Vogel etwas aus der Höhe auf den Boden platschen ließ. Das wollten wir nicht so gerne auf unseren Köpfen habenů Wir blieben aber verschont. Ein paar Minuten später flog der ganze Schwarm kreischend davon. Wir warteten noch ein wenig auf eventuell hier in der Abenddämmerung trinkende Yellow-footed Rock-Wallabies, doch die bekamen wir heute leider nicht zu Gesicht. Gegen 17.00 Uhr, das gesamte Tal lag schon im Schatten der tief stehenden Sonne, fuhren wir langsam wieder zurück. Auch das klappte ohne Probleme. Gegen 17.30 Uhr waren wir wieder auf dem Campingplatz. Ich setzte mich in meinen Campingstuhl und fing schon mit meinem Tagebuch an, während Tomoko das Abendessen kochte. Heute gab es Linguine in Zitronen-Knoblauch-Dressing mit Tomaten und Avocado. Dazu eine Champignon-Creme-Suppe aus der Tüte. Schmeckte alles wieder vorzüglich. Danach war Geschirrspülen angesagt, gefolgt von einem Besuch der Dusche. Die Damendusche war defekt, aber bei den Herren waren 2 Kabinen für Frauen reserviert. Ich erwischte eine Kabine mit kräftigem Wasserstrahl. Tomoko hatte Pech. Bei ihr kam nur ein kleines Rinnsal aus der Leitung, so dass sie mächtig zu frieren begann, besonders da sie auch ihre Haare gewaschen hatte. Schnell flüchteten wir uns anschließend in unser Auto, das durch das laufende Heizgerät innen angenehm warm war. Ich schrieb mein Tagebuch weiter und Tomoko schaute wie immer die gemachten Fotos an. Gegen 21.00 Uhr war ich fertig damit und wenig später gingen wir schlafen.


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