09.05. Kangaroo Island - Deep Creek CP

Heute wurde ich schon gegen 6.00 Uhr wach, blieb aber noch eine Weile liegen. Gegen 6.50 Uhr öffnete ich mal leise einen Vorhang und sah, wie der Himmel im Osten sich schon gelb gefärbt hatte, Zeit zum Aufstehen. Von allen Seiten konnte man wie jeden Tag krächzende Papageien hören. Als ich vom Waschen zurückkam, war Tomoko auch schon auf den Beinen. Sie hatte ein undefinierbares grunzendes Geräusch gehört, als sie von der Toilette zurückkam. Sie tippte sofort auf einen Koala. Als sie sich umschaute, sah sie, wie schon einige Leute um einen Baum herumstanden und fotografierten. Tatsächlich war es ein Koala, der solche Grunzlaute ausgestoßen hatte. Ich nahm meine Videokamera in die Hand und filmte eine Weile. Dann ging ich mit der Videokamera weg, weil ich auf der nahen Wiese ein Känguru in der tiefstehenden Morgensonne hüpfen sah. Tomoko war beim Baum geblieben und wurde Zeuge, wie der Koala seinen Baum verließ und gemächlichen Schrittes über den Boden zu einem anderen Baum ging.

Einen Koala am Boden hatten wir noch nie gesehen. Tomoko suchte die Videokamera, doch damit war ich ja gerade unterwegs, so dass sie leider diese Gelegenheit verpasste. Als ich wieder zurückkam, saß der Koala wieder friedlich auf einem Baum, kletterte bis zur Spitze und begann dort oben frische Blätter zu verspeisen. Da es ein wenig zu hoch für weitere Fotos war, gingen wir zum Auto zurück und fingen an einzupacken. Heute wollten wir ja Kangaroo-Island verlassen. Gerade als wir gegen 9.30 Uhr mit dem Packen fertig waren, sahen wir plötzlich wie der Koala wieder am Boden war und einen neuen Baum suchte. Diesmal war ich mit der Kamera zur Stelle und konnte die Szene aufnehmen. Als sich alle Leute nur um den Koala kümmerten, war unser "Haus-Känguru" plötzlich sehr eifersüchtig und ging auf den Koala los. Der ließ sich jedoch nicht stören, sondern marschierte unbeeindruckt weiter, suchte sich einen Baum aus, kletterte hoch und stieß offenbar zufrieden wieder einige kräftige Grunzlaute aus. Das war ein ganz besonderes Erlebnis. Ein Video kann man hier sehen: Koala Nun wurde es aber Zeit loszufahren Richtung Kingscote, der 100 km entfernten Hauptstadt der Insel. Diesmal fuhren wir über die nördliche Route, den Playford Highway, den wir nach einer halben Stunde erreichten. Um 10.20 Uhr sahen wir plötzlich einen großen Schwarm schwarzer Papageien (Yellow-tailed Black Cockatoo) auf einem trockenen Baum sitzen. Als wir uns näherten, flog der ganze Schwarm davon. Schnell drehten wir das Auto und fuhren hinterher. Ein freundlicher vorausfahrender Autofahrer gab uns ein Zeichen, wo die Vögel gelandet waren. Vorsichtig näherten wir uns der Stelle. Diesmal blieben sie sitzen, noch dazu nicht im Gegenlicht, ideal für Fotos.

Es waren insgesamt 12 an der Zahl. Durch die geöffnete Fensterscheibe drang ein weiteres Krächzen an unser Ohr. Da saßen doch tatsächlich auf der anderen Straßenseite weitere 26 Papageien in einem Baum, unglaublich.

Wir fotografierten fleißig, dann ging es weiter Richtung Kingscote. Die Wolken wurden zusehends dichter, und alsbald prasselte ein heftiger Regenschauer hernieder. Das dauerte allerdings nicht allzu lange. Gegen 11.15 Uhr erreichten wir Kingscote, eine kleine gemütliche Stadt am nordöstlichen Rand der Insel. Zunächst suchten wir einen Supermarkt, den wir auch schnell fanden. Wir deckten uns mit Vorräten ein, da es in den nächsten 2 Tagen dazu keine Gelegenheit geben wird. Im Supermarkt war es saukalt. Wir waren froh, als wir wieder draußen waren. Jetzt suchten wir noch ein Internet-Café. In der Stadtbücherei (Library) wurden wir fündig. Wir bekamen einen kostenlosen Zugangspass, der für unseren ganzen Urlaub gültig blieb, vorausgesetzt wir finden wieder eine Library. Eine gute Dreiviertelstunde surften wir im Internet und checkten E-Mail (Bei mir alleine waren es 210 E-Mails, das meiste Spam !!!). Dann wurde es gegen 13.00 Uhr Zeit zur Fähre nach Penneshaw zu fahren. Vorher aber kaufte Tomoko noch schnell in einer Bäckerei zwei Kuchen und einen Kaffee, sehr zur Freude unserer Bären.

Pünktlich um 14.00 Uhr erreichten wir die Abfahrtsstelle der Fähre, die uns wieder aufs Festland bringen sollte. In einem nahen Supermarkt mussten wir Entelchen enttäuschen, es gab leider kein Bier zu kaufen, aber übermorgen in Adelaide, versprochen. Das Beladen der Fähre ging schleppend voran, da einige schwere Lastwagen mit langen Hängern rückwärts auf die Fähre rangieren mussten. Endlich war auch ich dran. Auch ich wieder rückwärts, was inzwischen tadellos klappte.

Die Sonne schien wieder, aber es wehte ein heftiger Wind. Trotzdem verlief die Überfahrt einigermaßen ruhig. Wir hatten vielleicht auch deswegen ein besseres Gefühl als bei der Hinfahrt, weil wir diesmal in der Mitte des Schiffes Platz genommen hatten, wo das Schlingern nicht so heftig zu spüren war. Außerdem hatte Tomoko keinen Donut gegessen. Nach einer guten Stunde war die Überfahrt geschafft. Schnell verließen alle Fahrzeuge die Fähre. Nach kurzer Fahrt hielten wir schon wieder an. Ein weiterer Schwarm Yellow-tailed Black Cockatoos hatte sich in einem trockenen Baum niedergelassen. Die späte Nachmittagssonne ließ ihr Gefieder prächtig leuchten. Jetzt waren es nur noch knapp 20 km bis zu unserem heutigen Ziel, dem Deep Creek CP. Als wir dort ankamen, entschieden wir uns für den gleichen Stellplatz Nr 8, auf dem wir schon letzte Woche übernachtet hatten. Da das heutige Essen (Bratkartoffeln mit gebratenem Schinkensteak, bzw vegetarischen Würstchen) längere Vorbereitungszeit brauchte, fing Tomoko schon mal mit der Vorbereitung an. Zunächst wurden Zwiebeln geröstet. Die Bratkartoffeln zu braten geriet in der zu kleinen Pfanne zu einem Geduldsspiel. Immer wieder musste Tomoko die festanbratenden Kartoffeln mit einem Schaber vom Pfannenboden lösen und wenden, eine wirklich anstrengende langwierige Angelegenheit. Sie schaffte es aber mit viel Hingabe und Geduld, sogar eine Suppe und einen Salat gab es noch, alle Achtung Tomoko! Als das Essen endlich gegen 18.00 Uhr fertig war, war die Dunkelheit schon hereingebrochen. Im Scheine einer Taschenlampe ließen wir uns das Essen schmecken. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut ein Essen im Freien in der frischen Luft schmecken kann. Das anschließende Spülen des Geschirrs war dann wieder meine Aufgabe. Das Wasser in der offenen Spülecke des Campingplatzes war so heiß, dass ich keine Mühe hatte, auch die Pfanne mit den festgebackenen Kartoffelresten wieder tadellos sauber zu bekommen. Da die Außentemperatur jetzt merklich kühler wurde, zogen wir uns ins Innere unseres Autos zurück. Hier hatten sich in der Zwischenzeit zahlreiche kleine Insekten angesammelt, offensichtlich Moskitos, die wir erstmal bekämpfen mussten, das heißt mit einem Lappen zu entfernen. Ich schrieb noch Tagebuch und Tomoko zeichnete noch weiter an ihrem gestern schon begonnenen Känguru. Irgendwie waren wir heute Abend schon früh müde und gingen um 21.00 Uhr schlafen.

10.05. Deep Creek CP

Wir schliefen wieder gut diese Nacht, obwohl es mächtig abgekühlt war. Gegen 6.30 Uhr wachte ich auf. Ein Blick auf unser Thermometer zeigte heute Morgen nur 11°, nicht allzu warm. Gegen 7.00 Uhr wagte ich es die Autotür zu öffnen. Im Osten zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen. Der Himmel war leicht bewölkt, hin und wieder tröpfelte es ein wenig, war aber nicht sehr stark. Zum Frühstück gab es diesmal Spiegelei mit Schinken, dazu die Bratkartoffelreste von gestern Abend. Dieses rustikale Frühstück tat uns in der kühlen Luft gut. Um 8.45 Uhr machten wir uns bereit für eine kleine Wanderung in die nähere Umgebung. Wir hatten uns zum Aufwärmen für den "Spring Wildflower Walk" entschieden, einen ca. 5 km langen Trail, der in unmittelbarer Nähe unseres Standplatzes abzweigte. Er war etwas abschüssig und überquerte einen kleinen Bach. Tomoko war ziemlich erkältet und schnupfte stark. Hoffentlich wird das nicht schlimmer. 2 Kängurus kreuzten unseren Weg. Nach einer halben Stunde wurden die Wolken hinter uns bedrohlich schwarz und da sie der Wind auf uns zu trieb, gingen wir vorsichtshalber wieder zurück den Berg hinauf. Tomoko hatte ihre Mütze ausgezogen, behielt die Handschuhe aber noch an, während ich schon leicht ins Schwitzen kam. Der befürchtete Regen blieb aber aus, also beschlossen wir in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, etwa 1 km, wo ein anderer Trail, der "Stringybark Loop Walk" abzweigte. Auf dem Weg dorthin hüpften wieder 3 Kängurus über unseren Weg.

Dieser etwa 1 km lange Rundweg führte durch dichten Wald mit hohen alten Bäumen, ideal als Brutort für viele Vögel. Die Sonne zeigte sich wieder häufiger, so dass Tomoko ihren Sonnenhut aufsetzte, hoffentlich ein gutes Omenů

Insgesamt sahen wir wieder 5 Papageienarten (Crimson Rosella (race fleurieuensis), Sulphur Crested Cockatoo, Rainbow Lorikeet, Galah und Yellow-tailed Black-Cockatoo). Die weißen Sulphur-crested Cockatoos mit ihren gelben Häubchen kreischten besonders markant und übertönten alle anderen Geräusche.

Am Weg standen immer wieder Hinweistafeln, die uns einige interessante Dinge über die Pflanzen- und Tierwelt erzählten. Bemerkenswert waren die Erläuterungen zu einem eingeschleppten schädlichen Pilz (Phytophthora), der viele Pflanzen absterben lässt. Um zu verhindern dass sich seine Sporen ausbreiten, hat man am Anfang des Trails kräftige Bürsten am Boden aufgestellt, mit deren Hilfe man seine Schuhe beim Betreten und Verlassen des Trails gründlich abbürsten soll.

Wir wanderten langsam unter den hohen Bäumen entlang und nach insgesamt 2 ½ Stunden und 4,5 km waren wir mit müden Beinen um 11.15 Uhr wieder zurück am Campingplatz, wo wir von einem am Boden sitzenden Kookaburra begrüßt wurden. Tomoko machte gleich mal Wasser heiß für Tee und Kaffee, was unsere Lebensgeister wieder weckte. Ich begann schon mal mit meinem Tagebuch. Währenddessen kamen weitere Kookaburras angeflogen, die sich wenig Scheu zeigend direkt neben uns niederließen.

Das Wetter hatte erstaunlich gut gehalten, allerdings so richtig warm wurde es nicht, nur so um die 15°. Wir blieben eine Weile gemütlich sitzen, aßen Donut und Carrot Cake und ließen uns von der Sonne bescheinen. Um 13.45 Uhr hatten wir Lust auf einen weiteren Spaziergang. Diesmal gingen wir Richtung Westen, wo ein 2,5 km langer Rundweg abzweigte. Auch der schlängelte sich wieder durch alte Bäume, die aber deutlich lichter standen, so dass die doch recht kräftige Sonne uns ins Gesicht schien. Die Bäume hatten alle ziemlich verkohlte Stämme. Vor einigen Jahren muss hier wohl ein kräftiges Buschfeuer gewütet haben. Tomoko hatte ihren Hut vergessen und da sie auch noch Kopfweh hatte, ging sie recht schnell, so dass ich ihr kaum folgen konnte. Nach 1,25 km machte der Weg eine scharfe Rechtskurve und es ging wieder zurück, jetzt mit der Sonne im Rücken, was angenehmer war. 500 m voraus saßen 3 Kängurus auf dem Weg. Als wir uns bis auf etwa 200 m genähert hatten, sprangen sie in großen Sätzen davon.

Mir wurden die Beine langsam schwer. Nach einer Stunde und 10 Minuten sowie 2,8 km kamen wir ziemlich erschöpft wieder bei unserem Auto an. Beim Waschraum war eine Gruppe Superb Fairy-wren zu sehen, darunter auch wieder ein in der Sonne leuchtend blaues Männchen. Ich ließ mich in einen Campingstuhl fallen, während Tomoko sich sogar ins Auto zurückzog und dort ein kleines Schläfchen machte. So ruhten wir uns eine Weile aus. Gegen 16.00 Uhr kletterte ich mal ins Auto und weckte Tomoko. So langsam wurde es Zeit ans Abendessen zu denken. Heute wollte Tomoko alles Gemüse verwerten, da wir morgen in eine Zone kommen werden, wo die Einfuhr von vielen frischen Gemüsen verboten ist. Man will so verhindern, dass eine schädliche Fruchtfliege sich ausbreitet. Das Menu sah also Gemüsesuppe sowie Rührei mit Sojasprossen vor. Um 17.15 Uhr war alles fertig und schmeckte wie immer hervorragend. Um 17.45 Uhr war es schon dunkel und wir mussten unsere Taschenlampe benutzen. Ich freute mich wie immer, das Geschirr zu spülen, weil man in dem heißen Wasser schön warme Hände bekommt. Die Außentemperatur sinkt halt abends rapide ab, auch im Auto waren es nur noch 15°. Wir hätten tatsächlich noch mehr Wintersachen mitnehmen sollen, zumindest eine Winterjacke für mich. Na ja, bisher ging es noch. Mal sehen wie das weiter nördlich in den Wüstengebieten wird, wo die Nachttemperaturen noch niedriger sein sollen. Ich schrieb noch Tagebuch fertig und Tomoko malte noch ein wenig, dann gingen wir schlafen.


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